Pioneer P99RS: Cincheingang/Stecker direkt an Multicore anschließen und ohne Kupplungen in den Kofferraum legen

Moin!

Jeder, der sein Radio über Cinch mit den Endstufen verbinden darf, kennt das Kneul an Cinchkupplungen hinterm Radio.
Beim P99RS hat man 8 Kanäle und somit 8 Cinchkupplungen1, die wertvollen Platz hinterm Radio belegen. Abhilfe schafft hier nur eine Direktverbindung vom Radio zu den Endstufen.

Also ran an den Speck: Stecker besorgen2 und Konzept überlegen!

Wenn man auch bei den Kabeln Platz sparen möchte, geht der erste Gedanke in Richtung Multicore-Kabel und der zweite zu den klassischen, möglichst dünnen Koaxialen.3

Nachdem man dann viele Multicores gesichtet hat und deren Nachteile erkennt4, landet man schnell bei der Möglichkeit, seine 8 Kanäle auch per Netzwerkkabel zu übertragen. Diese Lösung ist günstig und soll sich auch gut zur Signalübertragung eignen.5 Ich verwende 2x Cat6 Screened Shielded Twisted Pair-Kabel.6 Dabei werden pro Kabel nur 4 Kanäle über die verdrillten Innenleiter übertragen.7

Zunächst zur Theorie: Die innen liegenden Schirme, welche jeweils um 1 Adernpaar gewickelt sind, werden an die AMP-Masse angeschlossen. Der Außenschirm wird an die Radio-Masse angeschlossen.8

In der Praxis sieht man jedoch, dass das SSTP-Kabel so aufgebaut ist, dass kein Isolator zwischen Innen- und Außenschirm (Geflecht) vorhanden ist, man also elektrisch nur einen Schirm hat.
Zusätzlich erweitert man die Schaltung um einen Kondensator, der am Radio gegen Masse geschaltet wird.

[1] Der kurze Originalkabelbaum „CDP1205“ kostet übrigens zwischen 50-70€ und hat im günstigsten Fall einen Umfang von 10cm (Der Kabelbaum hat versetzte Anschlüsse: jeweils 4 Buchsen nach 10 und nochmal nach 20cm, Ø=1,25cm/Cinchbuchse).
[2] Ich habe meine beiden vom :) Rundfunkservicetechniker. Es handelt sich um „PADP-16“-Stecker mit den nötigen Kontaktschuhen.
[3] Oder als Alternative das Cordial CSF 450.
[4] Der Aufbau der Kabel ist oft nicht dokumentiert. Dies erfährt man erst, wenn man das Kabel auftrennt, um den Stecker am Radio anzupassen. Und wenn es dann im Hörtest nicht überzeugt, weil Störsignale ins Kabel einstreuen, klingelt die Lehrgeldkasse.
[5] Die Meinungen teilen sich hier. Einige empfehlen es ruhigen Gewissens mit der Tendenz zu „klanglich besser als ein normales Cinchkabel“, andere stützen rein sich auf Messergebnisse zur Abschirmung und geben ein „gut“, aber nicht besser, als ein klassisches Koaxial-Cinchkabel! (so zumindest bei einem Test mit Cat5: „Cat5+cable+VS+RCA+cable+for+car+stereo+use+Eddie+Runner“). – Die Schirmung der Kabel scheint hier eine bedeutende Rolle zu spielen!
[6] Bei SSTP sind die Kabelpaare einzeln geschirmt und zusätzlich noch mit einem Außenschirm geschützt.; Zum Netzwerkkabel selbst: Twisted Pair-Kabel sind ideal, um symmetrische Signale zu übertragen. Die Audiosignale werden vom P99RS unsymmetrisch über RCA (Cinch) ausgegeben – das Kabel wird also zweckentfremdet. Symmetrische Kabel haben per se keinerlei Vorteile in einer unsymmetrischen Verschaltung.
[7] Man könnte auch mit einem einzigen Netzwerkkabel alle 8 Kanäle übertragen und den Schirm als Masse benutzen. Man hat dann aber das Problem, dass es bei den verdrillten Kabeln zum Übersprechen kommt („Übersprechen+zwischen+benachbarten+Aderpaaren“). Nur das Verdrillen von unterschiedlich gepolten Leitern kann unerwünschte Übersprechkopplungen vermindern! Deshalb ist der Aufbau so wichtig!
[8] Der klassische Sackschirm wird an dieser Stelle recht häuftig diskutiert und empfohlen. In der Regel jedoch radioseitig an Signalmasse. (Man beachte an dieser Stelle, dass zwischen Signalmasse und Radio/Amp-Masse unterschieden wird!) Der technische Hintergrund und die Frage nach dem Sinn dieser Schaltung wird aber oft zu wenig beleuchtet. Zu diesem Thema empfehle ich die kritischen Beiträge von Uwe Mettmann in diversen Foren („Uwe+Mettmann+Sackschirm“). Letztlich habe ich mich aufgrund folgender Beiträge zur oben gezeigten Schaltung entschieden: Mikrocontroller.net: Abschirmung vom Kabel auf Masse“. Diese Verschaltung zweier Sackschirme zum Kondensator scheint bei diesem Kabel (siehe Fn.[6] nicht für „unsymmetrisch“ gebaut) am geeignetsten zu sein, um kapazitive und induktive Störeinflüsse gering zu halten.

Ein Gedanke zu “Pioneer P99RS: Cincheingang/Stecker direkt an Multicore anschließen und ohne Kupplungen in den Kofferraum legen

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