Laufzeitkorrektur: Wohin baue ich die Bühnenmitte?

Wo die Bühnenmitte liegt, wird maßgeblich von der Ausrichtung der Lautsprecher bei gleicher Laufzeit und Pegel des Signals am Abhörort bestimmt. Jede Abweichung ist eine Fehleinstellung vom Ideal, dem Stereodreieck.

Hier soll es vorrangig um das Verhältnis der Bühnenmitte zur Anordnung der Lautsprecher in einem 3-Wegesystem gehen.

Tja, werden einige denken – wohin bauen, wenns doch nur eine gibt! Oder worum geht’s hier überhaupt!?!?

Die Frage ist wirklich, ob es nur EINE gibt.
Genaugenommen haben wir bei einem 3-Wegesystem genau 3 Bühnenmitten. Diese unterscheiden sich vornehmlich in der Richtung und Breite der Bühne.

Und für welche Mitte entscheidet man sich? ICH wähle idR. die breiteste auf dem Armaturenbrett verfügbare Anordnung. Darauf gleicht man die Laufzeit und die Pegel der anderen LS-Paare an! Dabei handelt es sich genau genommen um eine bewußte Fehlabstimmung der anderen Kanalpaare. Diese ist jedoch nötig, da man sonst keinen scharfen Focus für die Bühnenmitte erhält.

 

Bleiben wir mal kurz bei den bewußten Fehlabstimmungen. Fehlabstimmung bedeutet hierbei „nur“ eine abweichende Abstimmung vom Stereodreieck durch Änderung der Laufzeit- und Pegelparameter eines Lautsprechers. Davon muss man die normale Fehlabstimmung abgrenzen, bei der nur der Pegel oder nur die Laufzeit geändert wird. Der Unterschied beim Hören besteht darin, dass bei der bewussten Fehlabstimmung die gehörte Mitte im Focus bleibt und man eine Seite der Bühne staucht …

 

 

und bei der normalen Fehlabstimmung die Mitte frequenzabhängig staucht, bis die Bühne wandert oder kippt.
Das hängt mit unserer Wahrnehmung zusammen:
Tiefe Frequenzen nimmt das Ohr eher über den Parameter der Laufzeit wahr – hohe Frequenzen eher über den Pegelunterschied. Dadurch steht die Bühne mit dieser Fehlabstimmung bei tiefen Frequenzen eher in der Mitte und reißt bei hohen Frequenzen nach links oder rechts aus.
Multipliziert man diese Wanderbühne mit einem 3Wegesystem, erhält man unendlich viele Möglichkeiten, Matsch in der Mitte zu produzieren.

Das Stauchen der Bühne bei der bewußten Fehleinstellung hat aber auch einen Nachteil: die Bühnenaufteilung ändert sich, so dass die Abstände der Punkte 1-7 zueinander nicht mehr gleich groß sind. Die Bühne wirkt dadurch unnatürlich, da kleinere Löcher entstehen. Legt man durch das Stauchen/Strecken jedoch die Bühnenmitten zusammen, lässt sich dieser Effekt leicht verschmerzen, da die Auswirkungen sich mit der richtigen Aufteilung überlagern und deshalb gering ausfallen.

Wer jetzt noch Verständnisprobleme bei der bewussten Fehlabstimmung hat, wird sich sicherlich folgendes fragen: ‚Warum hat es dann bei mir funktioniert, dass ich mit dem Pegel oder der Laufzeit, also nur durch das verändern eines Parameters, die Bühnenmitte genau dorthin verschieben kann, wohin ich will.‘? Der hat den engen Zusammenhang der Parameter in Hinsicht auf das eigene Hörvermögen noch nicht erfasst. Die Hörschwelle für solche Ereignisse ist bei jedem unterschiedlich und trainierbar. Zusätzlich sind die Einstellungen am Radio grob und nicht fließend. Die Summe der Möglichkeiten ergibt sich erst beim ausgibigen Hören von unterschiedlichen Einstellungen.

 

Wer jetzt vollkommen verwirrt ist, sollte die Sprachbarriere überwinden und mitdenken!

Bei jeder meiner Animationen gibt es Fehler, die sich durch die unterschiedliche Interpretation von Lautstärke und Laufzeit ergeben können. Deshalb soll folgendes als Ausgangspunkt gelten: Alle Parameter beziehen sich auf den Hörer und in Bezug auf den rechten LS. Die Symbole stellen die relativen, nicht absoluten Werte dar. D.h. eine Lautstärkeänderung wird durch ein größeres oder kleineres LS-Symbol angezeigt. Ändert sich die Größe des Symbols nicht, ist der LS genau so laut, wie der rechte. Laufzeitänderungen werden durch das Verschieben des LS-Symbols angezeigt. Wobei die Pegeländerung auch hierbei durch die Symbole der unterschiedlich großen Lautsprechersymbole angezeigt werden.

So ergibt sich bei der bewußten Fehlabstimmung, dass, wenn sich die Bühnenmitte nach links verschiebt, auch der Pegel links lauter und der Abstand der Laufzeit geringer ist, als beim rechten LS. Dabei beeinflussen sich die Parameter: Jeder LS der dichter zum Hörer geschoben wird, wird auch automatisch lauter und umgekehrt.

Die Logik, die dahinter steckt und die man begreifen muss, ist nicht leicht zu beschreiben. Die einfachste Möglichkeit ist sicherlich der Umkehrschluss, der folgender Maßen lautet: statt die LS zu verschieben oder den Pegel zu ändern, könnte man auch genauso den Kopf bewegen.

Im Stereodreieck wäre der Effekt ziemlich der gleiche, wenn man vorher festlegt, dass die LS links und rechts den gleichen Abstand und Pegel zum Kopf haben. Bewegt man den Kopf jetzt nach links, kommt dies einer bewussten Fehlabstimmung gleich, da der linke LS jetzt dichter und lauter, als der rechte ist. Folglich verschiebt sich die Bühnenmitte nach links. Verschiebt man den Kopf nach rechts, verhält es sich genau andersherum. Dabei befindet sich die Bühnenmitte als Schnittpunk auf der Achse zwischen den Lautsprechern.

 

Und wohin nimmt man jetzt die Bühnenmitte, wenn man sie eh nur zu einem drittel genau und zu zwei dritteln gestreckt hat?

Letztlich muss man die Antwort relativieren und sagen: dorthin, wo man sie haben möchte, aber vor allem dort, wo die Parametersumme die größte Übereinstimmung im Punkt der Mitte findet und die Aufteilung der Bühne nicht leidet.

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